
Großer Bruder hilft Erstklasslern beim Einstieg
Am BG/BRG Leoben I kümmern sich Schüler der Oberstufen als Big Brother oder Big Sister um die Anliegen und Sorgen der Erstklassler.
ANDREAS SCHÖBERL
„Es geht darum, den Kleineren durch die erste Phase des Einstiegs besser durch zu helfen, in der sich viele noch nicht so richtig wohl fühlen. Ich erinnere mich selbst noch ganz genau: Der Wechsel von der Volksschule auf so eine Riesenschule wie das alte Gymnasium mit so vielen Schülern und Lehrern war für mich auch nicht einfach“, erzählt Matthias Jöllinger. Der 17-Jährige betreut als einer von zahlreichen Big Brothers die beiden Erstklassler Patrick Seebauer aus Leoben und Domenik Brandl aus Trofaiach. Jöllinger ist nicht nur als Schüler, sondern auch in seiner Eigenschaft als Big Brother ein alter Hase, der genau weiß, wie das Projekt läuft: „Ich habe das erste Mal schon mit 14 Jahren mitgemacht. Am Anfang war es schwierig, einen jüngeren Schüler zu betreuen. Man weiß nicht so richtig, wie man mit ihm umgehen, was man reden soll. Schließlich ist man selbst noch nicht so viel älter“, erklärt Jöllinger. Inzwischen habe er allerdings jede Menge Selbstvertrauen und Erfahrung gesammelt: „Meistens sind es nur irgendwelche Kleinigkeiten, die ich gefragt werde. Etwa, wenn ein Schüler den Spindschlüssel verloren hat oder Geld im Kaffeeautomat stecken geblieben ist.“ Außerdem zeige der Big Brother den „Frischlingen“ in den ersten Tagen das gesamte Schulgebäude und versuche, den organisatorischen Ablauf zu erklären.
Direkter Draht
Das Projekt Big Brother am BG/BRG Leoben I läuft bereits seit fünf Jahren: „Gerade in den ersten Wochen haben die Anfänger noch nicht so einen Draht zu den Lehrern, auch nicht zum Klassenvorstand. Sie wissen noch nicht, mit welchen Anliegen sie sich wohin wenden können“, erklärt Lehrerin Nina Pongratz, die das Projekt aus der Taufe gehoben hat. Besonders wichtig sei der direktere Draht zwischen Anfängern und älteren Schülern: „Bis dahin waren das zwei ziemlich getrennte Welten, wo die Jugendlichen nichts miteinander anfangen konnten“, so Pongratz. Das habe sich jetzt geändert, wie auch Big Brother Jöllinger bestätigt.
Seebauer und Brandl, seine Schützlinge, haben jedenfalls das beste Einvernehmen mit ihrem Big Brother: „Es war schwierig, sich am Anfang zurechtzufinden. Am ersten Schultag hat uns unser Big Brother alles im Schulgebäude gezeigt. Aber das Buffet haben wir alleine gefunden“, meinen die beiden Burschen feixend. Ihnen sei lieber, einen Big Brother als eine Big Sister als „Tutor“ zu haben. Denn: „Mit einem Mädchen können wir Buben nicht über alles reden.“ Obwohl sie in einer sehr großen ersten Klasse mit 30 Mitschülern sitzen, gebe es untereinander keinerlei Reibereien. Noch jedenfalls: „Wenn ich ein Problem mit einem bestimmten Lehrer oder einem Mitschüler haben sollte, gehe ich sicher zu Matthias“, meint Seebauer. Ganz klar im Gegensatz dazu, dass er sich in fachlichen Fragen in ersten Linie an den jeweiligen Lehrer wenden würde: „Und wenn es einmal schlechtere Noten gibt, gehe ich zu den Eltern.“
Ein konkreter Fall, wo der kurze Weg zur Big Sister Früchte getragen hat, ereignete sich erst vor einigen Tagen: „Eine Schülerin ist auf dem Weg zur Schule mit dem Fahrrad in einen Laternenmast gefahren und hat sich eine große Platzwunde zugezogen. Sie ist in der Schule sofort zu ihrer Big Sister gegangen, die dann alles organisiert hat – die Erstversorgung beim Schularzt, das Anrufen der Eltern und das Verständigen der Direktion“, so Pongratz.
